a drowning man

( oboreru hito )


japan 2001

regie: naoki ichio

darsteller: reiko kataoka, shinya tsukamoto, senko hida, takehiro uebaba,

hiromi unakami

wettbewerbsbeitrag auf dem japanischen filmfestival

"nippon connection" 2002 in frankfurt am main

 

als tokio seine frau tot in der badewanne findet ist er ratlos. er weiss nicht was er tun soll:

er rennt ruhlos durch die wohnung, will den notarzt rufen, legt wieder auf,

setzt sich trinkt einen kaffee, weint,... er ist innerlich zerrissen, kämpft mit sich.

schließlich lässt er das wasser aus der wanne, trägt seine frau raus und legt sie

abgetrocknet auf die couch. er zieht sie an, schreit sie an, sie solle gefälligst aufwachen.

doch als nichts paasiert setzt er sich an den küchentisch und leert eine

flasche whisky. geweckt wird er von kumiko, seiner frau, die er tot glaubte.

geschockt glücklich blickt er zu ihr auf, versteht die welt nicht mehr.

er ist überzeugt, daß sie von der welt der toten zurückgekehrt ist.

verändert. er drängt sie zum arzt, der nur niedrigen blutdruck feststellt,

die wohnung fängt an zu stinken, er mag kaum mit ihr zusammen schlafen. sie

entfremden sich immer weiter, obwohl ihm sein bester freund

bestätigt sie sei wie immer. er konnte keine veränderung feststellen.

aber tokio ist überzeugt, daß er es sich nicht nur einbildet. die entfremdung

nimmt ihren lauf. doch als er dann erfährt, daß kumiko schwanger ist,

erklärt er sich alles ungewöhnliche durch diese tatsache.

doch es könnte zu spät sein.

 

ein sehr ruhiger japanischer film, der garnicht dem actiongeladenen japanischen kino,

das sonst auf festivals oft gezeigt wird entspricht. regiesseur naoki ichio gelingt hier eine

beklemmende geschichte zweier liebender, die sich zusehends voneinander entfernen.

in einer typischen, sehr engen japanischen wohnung nimmt das geschehen seinen

tragischen lauf. bis auf kumikos todesträume wird die wohnung auch nicht verlassen.

die enge macht die sackgasse in die sich vor allem tokio bewegt noch viel deutlicher.

vollkommen unerwartet tritt seine frau aus dem leben und er ist hilflos. er trauert

einerseits, andererseits gefällt ihm die tote auf irgendeine weise, er empfindet sie

in dieser reglosen stille und dem frieden, in dem sie vor ihm auf der couch liegt

wunderschön, so schön wie er sie nie zuvor empfunden hat.

aus diesem grund unternimmt er auch nicht den geringsten rettungsveruch.

nach ihrem wiederauferstehen findet er fast alles befremdlich, entfernt sich, seine

phantasie spielt ihm streiche. er bildet sich gerüche ein, die jedoch wieder verschwinden.

die identifikationsstiftende figur des ungeborenen babys lässt ihn nachdenklich werden

und sie verleitet ihn auch dazu alles zu bereuen, doch ganz geheuer wird ihm die sache

garnicht mehr. als sein bester freund versucht ihn wachzurütteln, tokio zu zeigen

wie absurd sein glaube an ihren tod sei, und ihm so die ganze situation mit seiner

person noch einmal vorspielt, reagiert tokio auf exakt die gleiche weise wie bei seiner frau.

die geniale déjà-vu szene macht einem einige momente glauben, tokio sei aus einem

traum erwacht. doch für tokio beweist diese nachstellung eher,  daß noch eine zweite

person wiederauferstanden ist, statt das seine frau nur geschlafen hat.

der film ist nicht nur beispiel für das auseinanderleben in der ehe, sondern steht auch

dafür, wie fließend traum in realität übergeht und umgekehrt.

ein "independant film in reinform" nennt naoki ichio den film, da er ihn zur hälfte selbst

finanziert hat und die andere hälfte mehr oder weniger durch spenden sammelte. auch

das mag ein grund für den geringen aufwand mit nur einer bühne - der kleinen

wohnung - sein, auf der alles statfindet, die story jedoch unterstreicht und den film

aufwertet.

( tb )

 

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