beyoğlu blue
von
karsten kronas
photographie
erschienen im
kehrer verlag
2010
karsten kronas entführt in diesem buch mit seinen photographien nach istanbul –
genauer gesagt in das stadtviertel beyoğlu.
beyoğlu liegt im zentrum von istanbul auf europäischer seite,
das viertel ist von seiner architektur her durch seine vielen
jugendstil- und historisierenden gebäude der jahrhundertwende ein
recht westlich geprägtes viertel.
es ist eines der zentren des istanbuler nachtlebens und
der subkulturen – ein ort, bei dem karsten kronas sich fragt,
ob er nicht „ein ort realisierter utopien, eine heterotopie,
wie michel foucault sie beschrieben hat“ ist.
karsten kronas fotos sind vor allem eines: lebensnah.
als betrachter hat man das gefühl dabei zu sein, teil des
geschehens zu sein. er fotografiert aus der position
eines zum dargestellten gehörenden – er ist nicht einfach zuschauer,
der distanziert eine szene dokumentiert. er ist dabei.
besser noch – der betrachter der fotos ist dabei.
die fotoserie ist wie eine ich-erzählung, bei der man sich
in das „ich“ perfekt hineinversetzen kann – schon alleine
durch die einfachheit und klarheit der bildkompositionen.
mehmet murat somer schreibt in seinem essay zum buch:
„natürlich hat beyoğlu in den unterschiedlichen stunden des
tages unterschiedliche farben; es lebt in verschiedenen farben,
verschiedenen gerüchen und verschiedenen genüssen“.
karsten kronas schafft es mit seinen fotografien aber nicht
nur genau dieses leben von beyoğlu abzubilden, nein,
er schafft es, dass man als betrachter eben diese vielen
unterschiedlichen farben, gerüche und genüsse erlebt.
genau das ist das bestechende an diesem buch –
man könnte sagen:
ich war in beyoğlu!
(tb)