der mitgerissene
eine kurzgeschichte
von don fernando de los andes
der wind blies scharf um seine ohren. sie waren ihm frei und schutzlos ausgesetzt.
noch blühten die tulpen in den gärten arglos vor sich hin. einige blätter jedoch
flogen durch die luft.
mitgerissen.
so saß er vor dem fernseher - mitgerissen.
er konnte nicht glauben, was er dort sah. doch nun, plötzlich, aus heiterem himmel,
wie er heute war, wurde der mitgerissene belästigt.
es klingelte an der tür.
sturm klingelte es.
eine kleine wolke verdunkelte für den bruchteil einer minute die sonne.
der mitgerissene begab sich nun zur tür.
ein dunkler langer flur zur tür hin.
farbe blätterte ab.
das licht flackerte.
es summte in diesem flur.
ungemütlich.
unbehaglich schien er.
es war als laufe man ins verderben.
eine grüne meile ins verderben.
dem mitgerissenen stockte der atem.
er wusste nicht, was jetzt auf ihn zukam.
aus einem ihm unzugänglichen grund erzitterte er.
es war kein gewöhnliches zittern. nie zuvor hatte er so etwas erlebt.
noch immer dröhnte die klingel an der tür.
das geräusch füllte den raum aus, durchdrang seinen ganzen körper
und ließ ihn in seinen grundfesten erschüttern.
vibrationen entstanden. sie übertrugen sich.
unsicherheit.
er war umzingelt.
dröhnend schlug sie auf ihn ein.
ihm kamen zweifel, doch nun war es zu spät. noch bevor er den türgriff
betätigen konnte, nahm die reizüberflutung ihren lauf.
sie rannte, wie sie konnte.
überströmte ihn - durchströmte ihn.
sein verstand lag am boden.
kurze zeit später wurde sein körper mitgerissen.
noch immer dröhnte die klingel, doch die tür blieb verschlossen.
dieser text darf nicht ohne vorherige genehmigung verwendet oder abgedruckt werden