der obdachlose
einer kurzgeschichte
von don fernando de los andes
seiner wucht trotzend schien das meer an diesem mittag sehr klein.
schmächtig möchte man fast sagen.
im norden passierten die wagen und stutzend schauten einige aus ihren fenstern,
die plötzliche veränderung des himmels zu betrachten.
der westen brachte die wolken diese tage, doch im momentstürzten sie von
überall her, hinein in die bucht, als würde sie angesogen.
still lag es im augenblick, da die wolken über das meer herfielen.
in der stadt an der küste standen viele ratlos auf der promenade,
im ungewissen, was die nahe zukunft wohl bringt.
der wind trug musik von irgendwo her mit sich.
sie mutete an wie eine melodie des schicksals, und doch war sie seltsam fröhlich.
einige menschen kamen mit dieser situation nicht zurecht,
rannten umher - kopflos.
eine frau begann zu schreien, als stimme sie eine arie an.
ein älterer herr nahm verzweifelt sein gebiss heraus
und tat es in seinen kühlschrank.
die musik verstummte wieder.
sogleich legte sich eine erdrückende stille über die bucht.
selbst das meeresrauschen blieb aus.
einige segelboote versuchten vergeben sich fortzubewegen.
ein junger mann, gerade seit zwei wochen mit einem führerschein ausgestattet,
fuhr mit seinem wagen die passage im norden des meeres vorbei.
er wusste nicht wie ihm geschah, als ihm alte schuldgefühle längst gegessener
streitgespräche mit seinen eltern hochkamen.
sie lenkten ihn ab und versetzten ihn in eine art trance,
bei der das auto sich scheinbar von selbst weiterbewegte.
er bemerkte nicht mehr ob er gerade steuerte oder ob er vom lenkrad abgelassen hatte.
und wie das auto ihn weiterhin durch die serpentinen brachte,
dachte er an die achterbahnfahrt seiner letzten beziehung.
einen moment dachte er, diese assoziation sei zu billig,
da war er aber schon in seinen kopf gestossen.
es gab einige schöne stunden, wurde jedoch einiges eingesteckt,
um diese zu verwirklichen.
oft ist das fahren einfach nur stinklangweilig.
zwei autos und drei kilometer weiter hinten fährt ein pärchen mit seinem kind.
stress pur in diesem wagen.
der kleine hat keine lust und quängelt die ganze zeit rum.
seine stimmung hat inzwischen auf die eltern abgefärbt,
die die ganze zeit dabei sind sich anzugiften.
fünfstunden fahrt haben die beiden noch vor sich,
das waren nun schon drei kilometer.
endlich wieder zurück an der stelle im norden des meeres,
wo gerade ein mini-van vorbeifährt.
die heckscheibe ziern zwei plattgedrückte kindesgesichter.
sie sitzen gemütlich drin und pressen es gegen die scheibe.
die einzige sorge der mutter,
die aus diesem grund gerade mit ihren kleinen schimpft,
sind die fettflecken, die auf der rückfahrt die heckscheibe zieren.
in ungefähr sieben minuten werden die beiden kinder auf der schulbank sitzen,
während die mutter immernoch im auto sitzt und fährt.
mit stechender alkoholfahne steht ein obdachloser an der trinkhalle.
gerade hat er eine hübsche dame in einem mini-van vorbeifahren sehen.
er freute sich ob des tollen anblickes.
jetzt hatte er jedoch alles schon wieder vergessen.
er lächelte immernoch vor sich hin.
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