George W. Bush leicht gemacht
von Tobias Bruns
Es war vor gar nicht allzu langer Zeit, im Jahre 2000 n.C., als sich in der größten Demokratie der Welt,
den Vereinigten Staaten von Amerika etwas Ungewöhnliches zutrug:
Es ging um die Wahl des neuen Präsidenten. Dies ist nun nicht weiter ungewöhnlich, denn wenn der alte Präsident ausgedient hat
ist es in Demokratien üblich, dass das Volk einen neuen Staatschef wählt. Nun, und im Allgemeinen ist es so,
dass der Kandidat mit den meisten Stimmen aus dem Volk das Amt bekleidet. Doch dieses Mal war alles anders.
Ein Mann namens Al Gore bekam die meisten Stimmen im Land, doch Präsident wurde er nicht, nein,
Präsident wurde sein Gegenspieler George W. Bush, der Mann mit weniger Stimmen. Es gab viel Trubel,
und die ganze Welt lachte über dieses ungewöhnliche Ereignis, das auch in den Vereinigten Staaten für viel Verwirrung sorgte.
Sogar Gerichte beschäftigten sich mit diesem Fall, denn so vieles war unklar. Doch am Ende wurde
George W. Bush dennoch zum Präsidenten ernannt. Denn George W. Bush hatte einige Freunde im Land, die sehr mächtig waren
möglicherweise noch mächtiger als er es je sein würde und außerdem war sein Papa auch schon Präsident des Landes.
Wie dem auch sei, all dieses Trara machte den neuen Mann in seinem Land sehr unbeliebt, und so wundert es nicht,
dass er politisch nicht viel zustande brachte, zumal er sowieso als Witzfigur nicht nur im eigenen Lande,
sondern auch weit über die Grenzen hinweg, gehandelt wurde. Seine mächtigen Freunde und er zerbrachen sich den Kopf,
wie um alles in der Welt sie das Bild des Präsidenten positiv verändern konnten. Es ist doch so,
der Lenker der größten Demokratie der Welt darf keine Witzfigur sein, zumal doch die Vereinigten Staaten
in den Augen des naiven Präsidenten die Macht überhaupt ist, die Macht, die die Welt bestimmt
und das ganz allein kann, ohne fremde Hilfe! Nun, diese Weltanschauung bedurfte es der Welt zu beweisen,
und niemand sollte mehr über ihn und sein Unwissen lachen. So entschied sich George W. durch die weite Welt zu reisen,
in Länder von denen er nie zuvor etwas gehört hatte so zum Beispiel nach Russland, China, Großbritannien,
Frankreich und sogar in das kleine Deutschland, welches die Vereinigten Staaten immer sehr unterstützt hatten.
Er fuhr so durch die Welt, prahlte mit seinen genialen Ideen, wie zum Beispiel einem tollen Schutzschild,
das Amerika und all seine Freunde beschützen und die Feinde von vornherein verschrecken sollte,
dass sie gar nicht erst auf die Idee kämen einen Angriff zu starten. Doch er verdutzte die Welt nicht nur mit
seinem unermesslichen Ideenreichtum, sondern auch mit Taten, so kündigte er nach und nach Verträge,
die seine Vorgänger in teilweise langen und an den Nerven zehrenden Verhandlungen abgeschlossen hatten einfach auf.
Die Welt war tatsächlich etwas ärgerlich, ob dieser unkonventionellen Art, die George W. da an den Tag legte.
Jetzt, da der Präsident es der Welt gezeigt hatte, was für ein Pfundskerl er ist, und seine mächtigen Freunde und sein Vater,
mit denen er das ganze ausgeheckt hatte schon ein wenig Stolz auf ihn waren, da musste er nur noch das Bild,
das seine Landsleute von ihm hatten zurechtrücken. George W. und seine Freunde entschieden sich eine
Charmeoffensive zu starten, und der große Mann zog durch sein Land, ging in die Schulen und las den Kindern Geschichten vor.
Er konnte es sich leisten, war doch gerade in der Welt nicht sonderlich viel los, da alles ganz ordentlich lief. Doch ganz plötzlich,
George W. saß gerade wieder vor einer Schülergruppe, wurde alles durcheinandergeworfen.
In New York, einer der wichtigsten und größten Städte der Vereinigten Staaten nahm einer der schwärzesten Tage für Amerika
und auch für die Welt seinen Anfang.
Es war am Morgen des 11.September 2001, als ein vollbesetztes Passagierflugzeug in das höchste Hochhaus
der Stadt flog und explodierte, kurz danach stürzte ein weiteres Flugzeug in den zweiten Turm des Hauses,
ein anderes stürzte sich in Washington, der Hauptstadt des Landes, ins Pentagon, dem Verteidigungsministerium
und mitnichten bestgesichertstem Gebäude der Welt, noch ein Flugzeug, wie alle anderen auch von Terroristen
entführt stürzte auf freiem Feld ab, die beiden Hochhäuser in New York brachen zusammen, Bombendrohungen gingen ein,
ganze Bezirke evakuiert, tausende Menschen starben, es waren Bilder wie ein Weltuntergang, live übertragen in die ganze Welt.
Kein Wunder war die Welt geschockt, nie zuvor gab es Anschläge in dieser Dimension, die ganze Welt trauerte,
stand den Vereinigten Staaten bei, erklärte ihre Freundschaft und bot ihre Hilfe an.
So geschockt die Welt auch war, die Amerikaner waren es am meisten, sahen sie ihr Land doch immer als sicher,
als unverwundbar an. George W. war ebenso geschockt, dankte der Welt für den Beistand, und das Angebot zu helfen,
welches er sicher bald in Anspruch nehmen werde um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Der Präsident und vor allem seine Freunde sahen nun endlich auch ihre Chance gekommen, zu zeigen wer Amerika ist,
ein Land mit dem man sich besser nicht anlegt, ein mächtiges Land, das kein Problem hat seine Macht zu zeigen und auszuüben,
ein Land, dessen Feinde nichts zu Lachen haben.
So dauerte es nicht lang bis der Schuldige ausgemacht war: es war eine Organisation. Eine böse Organisation namens Al Qaida
unter Vorsitz eines ehemals von den Vereinigten Staaten geförderten Amerika-Hassers namens Osama Bin Laden.
Eben dieser Osama Bin Laden und seine Organisation war schon an einigen Anschlägen auf die
Vereinigten Staaten beteiligt, und einer der meistgesuchten Verbrecher der Welt. Nach Angaben des Geheimdienstes
und verlässlicher Quellen hielt sich der Terrorist und sein gesamtes Netzwerk in Afghanistan auf, einem Land in Mittelasien,
das zu dieser Zeit von einem religiösen Regime namens Taliban geführt wurde. Die Taliban führten das Land in eine Diktatur,
und erließen Gesetze, die jedes Menschenrecht vermissen ließen, so mussten sich die Männer nicht nur einen Bart wachsen lassen,
und die Frauen die Schulen verlassen, nein, sogar das Spielen und öffentliche Lachen der Kinder oder das Schachspiel
der Erwachsenen wurde verboten! Diese Herrschaft, einst von den Amerikanern gefördert um ihre Position in Asien zu stärken,
beizeiten jedoch fallen gelassen und zum Feind mutiert, war den Vereinigten Staaten schon lange ein Dorn im Auge.
So wurde kurzerhand in der NATO, einer fast vergessenen Organisation aus den Zeiten des kalten Krieges die aus Freunden
gegen den Kommunismus bestand und zur Verteidigung ihres Territoriums gegründet wurde, zum ersten Mal der Bündnisfall erklärt,
nach dem für alle Staaten eine gemeinsame Bedrohung besteht, die auch gemeinsam bekämpft werden muss.
Kurz danach war es dann soweit und Afghanistan wurde militärisch angegriffen, die Taliban vertrieben und
eine neue Regierung eingesetzt, die den Vereinigten Staaten treu ergeben sein musste.
Trotz des Krieges und vieler gefallener Töchter und Söhne Afghanistans ging die Jagd auf Osama weiter,
denn trotz der weitgehenden Eroberung des Landes konnte der böse Mann nicht gefangen werden.
George W. war aber nicht zufrieden, ihm war die Jagd noch nicht spannend genug, er und seine Freunde hielten es für viel
aufregender und spaßiger nur mehr mit dem Säbel zu rasseln.
Also trat der Präsident vor die Welt und erklärte, dass die große Nation der Amerikaner wisse, wer gut sei und
wer das Böse verkörpere, also kramte er mal wieder in seiner Ideenschatzkiste und erfand die Achse des Bösen,
die da besteht aus Irak, Iran und Nordkorea. Dies war allerdings nicht die einzige Idee
die dem Herrscher über Gut und Böse kam! Mit seinen Freunden baldowerte er etwas ganz kreatives aus: die Bush-Doktrin.
Die Bush-Doktrin besagt, das man ein Land, welches eines Tages einmal den Vereinigten Staaten Schaden zufügen könnte
- oder gar über Waffen verfügen könnte, die die USA seit langem besitzen - von vornherein zerstören müsse.
Dies nannte man einfach Präventivschlag und versuchte seither dieses revolutionäre, gegen alle Konventionen
verstoßende Konzept gesellschaftsfähig zu machen.
Das nun der Irak zur Achse des Bösen dazuzählte wunderte die Welt nicht, ist doch dieses Land mit seinem
Diktator Saddam Hussein, der ebenfalls von den Amerikanern an die Macht gebracht wurde, ein Erbfeind der Bush-Familie,
denn schon George W. Senior führte einen Krieg gegen dieses Land, konnte aber Saddam nicht von seinem Stuhl verdrängen.
Abgesehen davon ist der Irak eines der Länder mit den reichsten Ölreserven. So drohte George W. natürlich erst einmal
dem Irak mit einem Angriff, und das nicht nur um die Arbeit seines Vaters zu vollenden, sondern um eine neue Regierung
von Amerika-Hörigen einzusetzen. Die Welt geriet in Aufruhr, und die Solidarität mit den Amerikanern bröckelte in vielen Staaten.
Viele Länder erklärten, sie wollten keinen Krieg gegen den Irak, denn die Konsequenzen für den gesamten
arabischen Raum wären unabsehbar, vor allem jedoch gäbe es bei weitem nicht genügend Beweise, die einen Angriff rechtfertigten.
Der ein oder andere Staat ging sogar soweit einen Angriff kategorisch auszuschließen.
Eine Weltmacht wäre aber keine Weltmacht, würde sie diese Weltmacht nicht auch weltweit einsetzen!
Die Vereinigten Staaten entschlossen sich also den Vereinten Nationen unwiderlegbare Beweise vorzulegen,
um die Welt davon zu überzeugen, dass ein Krieg nun tatsächlich unabwendbar wäre. Die USA schickten hierzu Colin Powell,
ihren Außenminister, vor den Sicherheitsrat, um der Welt alles darzulegen. Unterstützung bekam er dabei vor allem von den Briten,
die ihrerseits auch einen Bericht vorlegten. Die Veranstaltung brachte nichts Neues, hatten doch die Amerikaner
wenig Schlagfertiges gebracht und die Briten von einer zwölf Jahre alten Studentenarbeit abgeschrieben (inklusive Rechtschreibfehler).
Ob der widerspenstigen Staatengemeinschaft, betonte der Präsident er werde notfalls auch alleine in einer Koalition der Willigen
sprich, mit allen Staaten, die Lust auf Krieg haben losschlagen und den bösen Diktator mit militärischen Mitteln erledigen,
das Land befreien und die Macht übernehmen.
Das werben um Partner war schon lange im Gange, ein großer Riss zierte die Welt, und der größte Graben tat sich in Europa auf.
Ein Teil der Europäischen Union befürwortete die Gewalt am Persischen Golf, der andere übte sich in Pazifismus
auf der Suche nach friedlichen Lösungen. Die Staaten des Ostens, die Kandidaten zum Beitritt zur
Gemeinschaft schlugen sich, ohnmächtig ob ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeiten, ängstlich den Zorn des großen
Mannes aus dem Westen auf sich zu ziehen auf die Seite Amerikas. Das Klima wurde zunehmend kälter
und der Kriegsbeginn nur noch eine Frage kürzester Zeit.